Münchens erster Fotomarathon – eine Herausforderung in 12 Akten

Wer hat’s verbrochen?

Vor gar nicht all zu langer Zeit wurde er angekündigt: Der erste Münchener Fotomarathon. Die Ankündigung erfolgte über den Blog und und die Facebookgruppe von Photowalking Munich, einer Gruppe fotobegeisterter, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den fotografischen Jagdtrieb regelmäßig in einer offenen gemeinsamen Safari durch den Großstadt Jungle Münchens zu erlegen. Und das Sie hierbei erfolgreich sind und eine inzwischen beeindruckend grosse und begeisterte Fangemeinde haben, sieht man schnell wenn man sich die Gruppen bei Flickr oder Facebook ansieht. Auch ich bin einer dieser Begeisterten und war natürlich sehr angetan von der Idee des Fotomarathon.

Fotomarathon – Was ist das?

Doch was ist denn nun ein Fotomarathon?
In einem Fotomarathon geht es darum, eine gewisse Anzahl von Themen in vorgegebener Reihenfolge fotografisch um zu setzen. Hierbei gibt es keine definierte Route und keinen Masterplan. Jeder ist auf sich selbst gestellt, kann jedoch so viele Hilfsmittel zur Hilfe nehmen, wie er möchte. Wichtig hierbei ist allerdings, dass die Bilder im JPEG Format und ohne irgendeine Nachbearbeitung direkt aus der Kamera kommen. Sinn dabei ist es, jedem unabhängig von der Ausrüstung die gleichen Chancen ein zu räumen.
Doch wie kommt man auf so eine verrückte Idee?
Nach ein wenig Recherche stellt sich schnell heraus: So verrückt ist die Idee gar nicht, denn Sie wird bereits in anderen Großstädten erfolgreich umgesetzt. Warum also nicht in München? Einziger Grund scheint zu sein, dass hier bislang die verrückten fehlten, die ein derartiges Projekt aufziehen und vor allem erfolgreich stemmen hätten können oder wollen. Tja, damit ist es nun vorbei, denn die Verrückten haben sich gefunden und haben knapp 300 Männern und Frauen in allen Alterklassen, aus allen Gegenden und mit allen möglichen Namen einen wundervollen Tag bereitet.

Los geht’s

Nach der rechtzeitigen Anmeldung über das Internet und dem Bezahlen der Startgebühr blieb einem eigentlich nur noch das Warten auf den Startschuss. So, zumindest sah ich das. Im nach hinein hätte ich die Zeit vielleicht doch besser nutzen sollen, mich ein wenig auf diesen Tag vor zu bereiten. Und so kam dieser Tag am letzen Samstag, den 21.07.2012 recht schnell daher und begrüßte seine Fotowütigen Besucher mit leicht bedecktem Himmel. Auch die Wetterprognosen für den weiteren Tagesverlauf gaben eher finstere Aussichten mit viel Regen. Und obwohl es nicht nach Regen aussah, gestaltete diese Wetterprognose die Auswahl des mit zu nehmenden Equipments um so schwieriger. Regenjacke? Sonnenbrille? Womöglich Taucherbrille und Schnorchel? Oder doch die Kurze Hose? Und dann,  Stativ? Welche Brennweite? Filter? Blitz? Blitze? Taschenlampe?
Mit der entgültigen Auswahl ging es nun auf den Weg zum Treffpunkt: dem Hofbräukeller. Dort eingefunden ging es als erstes zur Anmeldung. Die erwartete Schlange oder sonstiges Gedränge blieben dabei jedoch völlig aus. Statt dessen wurde man mit einem freundlichen Lächeln von einem gut organisierten Team, an nach Startnummer unterteilten Tischen empfangen und herzlich begrüßt. Die verbleibende Zeit ließ sich anschließend mit einem frischen Bierchen oder aber einem Softdrink aus dem bereits geöffneten Biergarten versüßen.
Kurz vor Elf war es dann so weit. Im Biergarten gab es eine charmante Ansprache der Organisatoren sowie des Schirmherren Michael von Hassel und das Oberthema wurde ausgegeben, welches sich in allen Bildern wiederfinden sollte:

“am Rande des Lichts”

Natürlich wird dies jeder ein wenig anders Interpretieren. In meinem Kopf entstand allerdings sofort das Bild eines Übergangs zwischen Schatten und Sonne. Eine scharfe Kante wäre ein klarer Rand. Und erzeugt durch die Sonne wäre es auch schon der Rande des Lichts. Wäre ja gelacht, wenn man das nicht in jedem Bild unterbringen könnte. Dachte ich mir. Bis mich mein Blick nach oben zurück in die Realität holte: Wolken, keine Sonne, kein Schatten, keine Kante. Ein Dämpfer. Aber gut, erstmal die Themen abwarten, schließlich konnte sich das Blatt hier noch wenden. Es muss ja nicht alles mit Sonne zu tun haben…

Erste Halbzeit

Die Themenzettel bekam man nun im Anschluss an den Startschuss an allen Ausgängen von unzähligen Helfern in die Hand gedrückt, sodass auch hierbei keinerlei Gedränge enstand. Natürlich wollte ich die Themen erstmal in Ruhe lesen und sehen, in welchen Bildern ich denn den Rande des Lichts, so ganz ohne Sonne unterbringen soll. Nun ja, was soll ich sagen… es wurde nicht besser. Die Themen auf dem Handout zeigten ziemlich schnell, dass sich die Suche nach der nicht vorhandenen Sonne wie ein roter Faden durch den Tag ziehen würde:

  • “Sonne im Herzen” ( Hierbei musste jedoch auch noch die Startnummer untergebracht werden )
  • “Lichtspiel”
  • “Über seinen Schatten springen”
  • “Lichtfänger”
  • “Die dunkle Seite (der Macht)”
  • “Ein lichter Moment”

Leicht erschrocken und mit einem sanften Gefühl der Ratlosigkeit startete ich also mit zwei Freunden, welche sich ebenso angemeldet hatten den Marathon.
Kaum hatte man den Biergarten verlassen stellte sich bereits die erste Frage: In welche Richtung soll man gehen, wenn man nicht mal weiss, wonach man suchen soll? Trotz der zuvor verinnerlichten Themen hatte ich nämlich nur eine sehr wage Vorstellung davon, was ich denn nun als ‘Sonne im Herzen’ fotografieren könnte. Zu allem Überfluss sollte ja hier auch meine Startnummer mit vorkommen. Die Suche nach Eindrücken und Stimmungen gab uns den Weg Richtung Viktualienmarkt vor. Bereits nach wenigen Metern jedoch entdeckte ich am Strassenrand einen starken Metallzaun, welcher die Form von Herzen hatte. Noch dazu war das Gebüsch dahinter hell beleuchtet und mit der frontalen Aufnahme konnte man vereinzelte Sonnenstrahlen im Gebüsch durch das Herz erkennen. Um die Startnummer unter zu bringen, entschied ich mich, für eine Taschenlampe einen ND Filter um so am Rande des Lichts zu malen. Tja, leichter gesagt als getan. Eine Stunde und unzählige Bilder später beendete ich, inzwischen alleine, meine Versuche mit einem Bild, mit dem ich nicht zufrieden war. Die Sonnenstrahlen im Gebüsch waren bereits seit geraumer Zeit verschwunden, und die Leuchtspuren der Taschenlampe ergaben in den meissten Fällen keine erkennbaren Zahlen. Und auch in dem letzten Bld, sah die ‘8’ auf den ersten Blick nach einer ‘3’ aus. Aber was soll man machen, wenn einem die Zeit davon läuft? Im Nachhinein hätte ich womöglich früher aufgeben und ein anderes Motiv suchen sollen. Aber manchmal, wenn man sich etwas in den Kopf setzt…. Nun ja. Ich denke das kennt jeder.

Und so zog einen die Suche nach Motiven mit jedem Thema ein Stück weiter in den Sucher der Kamera, bis man irgendwann das Gefühl hatte, das man die Welt aus der Kamera heraus betrachtet und nicht hindurch. Leider merkte ich dabei relativ schnell, dass ich das wichtigste wohl zuhause hatte liegen: Meine Kreativität und das Gespür für die richtige Umsetzung. Tja, auch solche Tage muss es geben. Schade nur wenn sie genau auf den Fotomarathon fallen, aber dabei sein ist schließlich alles. Und so entstanden zwar einige wenige schöne Bilder in der ersten Halbzeit, ja, sogar einige kreative Ideen, welche dann leider durch die Kürze der Zeit in der Umsetzung scheiterten, doch im Grunde genommen hatte ich besseres von mir erwartet.

Zweite Halbzeit

Die erste Halbzeit fand ihr Ende an der Mittelstation. Hierfür war als Ziel die Kamps Bäckerei am Sendlinger Tor angegeben, an welcher man sich bis 15 Uhr einfinden sollte, um sich mit den nächsten Themen versorgen zu lassen. Auch hier war die Organisation wieder top: Schnell hatte man die nächsten sechs Aufgaben in der Hand und zu meiner Überraschung und Freude gab es neben dem Themenzettel für jeden Teilnehmer eine Schokosemmel als Stärkung. Hier wurde offensichtlich gut mit der Bäckerei Kamps verhandelt.

Gut gestärkt konnte man nun also in die zweite Halbzeit starten. Die Themen hatten erneut viel mit Licht zu tun. Aber warum eigentlich auch nicht. Schließlich bedeutet Photographie nichts anders als ‘Malen mit Licht’. Und ohne Licht gibt es ja schließlich auch kein Bild. Ein bisschen Sonne hätte allerdings auch bei diesen Themen nicht geschadet:

  • “Lichter der Vorstadt”
  • “Lichtkunst”
  • “Scheinwelten”
  • “Randgestalten”
  • “Hoffnungsschimmer”
  • “Feuer und Flamme”

Für diese Hälfte des Tages entschied ich mich, meine Strategie grundlegend zu überarbeiten. Anstatt mir im Vorfeld Gedanken zu jedem Punkt zu machen zog ich, Fotowalk-Typisch einfach los und hoffte, dass ich so möglicherweise mehr Erfolg haben würde. Schließlich waren die kreativen Ansätze in der ersten Hälfte  nicht wirklich von Erfolg gekrönt.
Somit ging es also deutlich entspannter weiter als zuvor, und unsere Suche nach Motiven führte uns die Sonnenstrasse entlang, hin zum Odeonsplatz und von dort an der Feldherrenhalle vorbei bis zum Marienplatz.

Ein Punkt den man anfangs komplett übersehen hatte, machte sich nun immer deutlicher bemerkbar: Mit einem anständigen Marschgepäck, welches in meinem Fall dank Systemkamera etwas kleiner ausfiel, spürte man die Meilen welche man hier abmarschierte nicht nur in den Füssen sondern schön langsam auch im Kreuz. Und so war ich froh, als ich endlich alle Bilder zusammen hatte – diesmal weniger Kreativ, deutlich gradliniger und auch mit einer etwas entspannteren Einstellung geschossen – und wir uns auf den Weg zur Endstation machten: Frei nach dem Motto das Ende ist nur der Anfang ging es zurück zum Hofbräukeller, wo man sich bis spätestens 19 Uhr einfinden musste.

An der Endstation angekommen, hieß es erst mal Fotos abgeben. Es war klar, dass man nun wohl eine Schlange nicht mehr abwenden konnte, da das Kopieren von knapp 3600 Bildern nun doch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als eine Startnummer zu registieren oder Zettel zu verteilen. Um so überraschter war ich, als ich auch hier keine Sekunde warten musste, sondern mit einem speicherkartenwilligen und freundlichen Blick begrüßt wurde.
Damit war der Fotomarathon schneller zu Ende als er angefangen hatte. Die schöne Zeit ging vorbei wie im Flug und der einzige Frust galt allein meiner fehlenden Kreativität und dem wolkigen Himmel.

 

Fazit

Es war ein, in allen Bereichen fantastischer Tag, perfekt durchorganisiert, super geplant und sowohl Fotografisch als auch Videotechnisch permanent verfolgt. Ich bin gespannt auf die zahlreichen Bilder, auf die Videos und natürlich auf das nächste Jahr. Denn ICH bin garantiert wieder dabei! Vielen Dank an alle, die diesen Tag so perfekt gemacht haben und vielen Dank an meine beiden Mit-Marathonläufer , die den Tag mit viel Geduld perfekt abgerundet haben.

 

 

 

4 thoughts on “Münchens erster Fotomarathon – eine Herausforderung in 12 Akten”

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